Partizipative Quartiersentwicklung
Seit 2023 ist Lippstadt bestrebt, ein Quartier mit hoher Segregation partizipativ in Richtung eines größeren Miteinanders zu entwickeln. Getrennt durch eine Straße leben Menschen mit geringen Einkommen in genossenschaftlichen Wohnkomplexen (insbesondere Familien/Alleinerziehende, Menschen mit Einwanderungshintergrund und Senioren) neben Menschen mit hohen Einkommen in großen Einfamilienhäusern (insbesondere Senioren ohne Kinder) - ohne sich im Alltag zu berühren.
Durch Postkartenaktionen wurden Wünsche, Bedarfe und Mitwirkungsbereitschaft auf den letzten Straßenfesten abgefragt (Kutschfahrt als Dankeschön fürs Mitwirken/s. Foto). Im Anschluss wurden Fokusgruppeninterviews mit den Willigen (Kinder, Jugendliche, Eltern, Alleinerziehende und Gärtner:innen) durch- und zuletzt das Format "Ideen-Café" eingeführt. Seitdem kommen Anwohner:innen und Interessierte regelmäßig zusammen, um ihr Quartier zu entwickeln.
Aktuell werden fünf Themenbereiche bearbeitet, die von der Gruppe explizit gewünscht wurden:
Frauenpowergruppe
Gesund kochen und miteinander essen
Hilfe im Alltag
Radreparaturwerkstatt/Radfahrförderung
Spielen und Lernen
Die aktiv Beteiligten sind mit Begeisterung dabei. Inzwischen gibt es das monatliche Format "Jenny kocht". Die Frauenpowergruppe und eine individuelle Lernförderung sind gestartet und im Keller eines Mehrfamilienhauses entsteht eine Fahrradwerkstatt. Jedoch ist die Beteiligung der finanziell besser gestellten Haushalte noch vergleichsweise gering, obwohl dort ein Potential an Zeit und Ressourcen zu vermuten ist . Um den Einstieg ins ehrenamtliche Miteinander zu erleichtern, wird eine maximale Offenheit in der Ausgestaltung des Ehrenamtes ermöglicht. Wer nur stundenweise Zeit erübrigen kann, ist ebenso willkommen wie intensiv Engagierte. Das nächste Straßenfest soll für die Akquise weiterer, am Miteinander Interessierter genutzt werden (Popcorn-Tüten mit Botschaft und Kontaktmöglichkeit).
Die Quartiersentwicklung ist langfristig angelegt (5-10 Jahre). Die Evaluation erfolgt anhand von Sozialdaten und Befragungsformaten. Für 2026 ist eine erste Stadtteilkonferenz geplant, um die partizipative Quartiersentwicklung mit der noch parallel verlaufenden quartiersbezogenen Zusammenarbeit von kommunalen und institutionell verorteten Fachkräften zusammenzuführen.

