Frühe Chancen
Nora Jehles
Schuleingangsuntersuchungen für Bildungs- und Teilhabegerechtigkeit nutzen
“Soziale Ungleichheiten manifestieren sich bereits im frühen Kindesalter und prägen Bildungs-, Gesundheits- und Teilhabechancen. Kommunen stehen vor der Herausforderung, knappe Ressourcen zielgerichtet und bedarfsgerecht einzusetzen, verfügen jedoch häufig nur über begrenzte kleinräumige Daten. Die Schuleingangsuntersuchung (SEU) bietet ein bislang nicht ausgeschöpftes Potenzial für frühe Bedarfserkennung, kommunale Steuerung und Evaluation. Praxisbeispiele zeigen, wie SEU-Daten zur Sichtbarmachung sozialer Ungleichheiten, Ressourcensteuerung und Entwicklung präventiver Ansätze genutzt werden können.”
Datum: 01.03.2026Von der Kita bis zur Uni
Marcel Helbig, Claudia Karwath, Corinna Kleinert
Wie soziale Ungleichheiten unseren Bildungsweg beeinflussen
"Über die soziale Herkunft hinaus ist ein weiteres zentrales Ergebnis dieser Studie, dass sich ein Migrationshintergrund bei gleichen sozialen Ausgangsbedingungen insgesamt nur unwesentlich auf die Bildungsverläufe der Kinder und Jugendlichen auswirkt. Geringere Besuchsquoten finden sich allerdings bei Kindertageseinrichtungen. Deutliche migrationsspezifische Nachteile lassen sich beim Wortschatzerwerb in der deutschen Sprache und bei den naturwissenschaftlichen Kompetenzen beobachten. Ihr Rückstand bei der Lesekompetenz, den mathematischen und ICT-Kompetenzen ist hingegen eher gering. Trotz ihrer im Mittel niedrigeren Kompetenzen erhalten Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund keine schlechteren Noten und werden nicht seltener für das Gymnasium empfohlen als Kinder ohne Migrationshintergrund. Bei gleichen Noten und Kompetenzen werden sie sogar etwas häufiger für das Gymnasium empfohlen und besuchen dieses auch häufiger als Kinder ohne Migrationshintergrund. Sie nutzen zudem häufiger alternative Bildungswege zum Abitur neben dem Gymnasium und scheitern auf diesen Wegen auch nicht häufiger als Kinder ohne Migrationshintergrund. Im Ergebnis erlangen Jugendliche mit Migrationshintergrund häufiger die Hochschulreife und nehmen deshalb auch etwas häufiger ein Studium auf als Jugendliche ohne Migrationshintergrund. Auf der anderen Seite nehmen Jugendliche mit Migrationshintergrund seltener eine Ausbildung auf als Jugendliche ohne Migrationshintergrund, auch wenn man nur die Personen vergleicht, die keine Studienberechtigung haben."
Datum: 01.03.2026Bildungsungleichheit als Gegenstand der Bildungsforschung
Tilman Drope, Sabine Reh, Kai Maaz (Hrsg.)
Perspektiven, Erträge und Aussichten
Die vorliegende Analyse verdeutlicht, dass Bildungsungleichheit eine zentrale Herausforderung des deutschen Schulsystems bleibt, die trotz vielfältiger Reformansätze und bildungspolitischer Bestrebungen weiterhin strukturell verankert ist. Besonders in sozialräumlich benachteiligten familiären wie schulischen Lagen greifen Mechanismen, die sowohl durch individuelle Herkunftseffekte als auch durch kollektive Kontextfaktoren verstärkt und reproduziert werden. Der Beitrag unterstreicht, dass der (einzel-)schulische Sozialraum dabei eine entscheidende Rolle spielt und darum als Ansatzpunkt für diversitätssensible Schulentwicklungsstrategien verstanden werden kann.
Datum: 01.06.2025Teilhabeatlas_Kinder_und_Jugendliche_online
Christine Hieb, Jasper Mönning, Claudia Härterich, Sabine Sütterlin, Julia Amberger, Dr. Frederick Sixtus, Catherina Hinz
Der Jugendteilhabeatlas 2025 ist ein gemeinsames Forschungsprojekt des Berlin-Instituts, der Wüstenrot Stiftung und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung.Wie sich ihre Lebensverhältnisse in Deutschland unterscheiden und was ihnen wichtig ist
Es gehört zu den zentralen Versprechen der Politik, Kindern und Jugendlichen ein Umfeld zu bieten, das ihnen sowohl Chancengleichheit als auch Teilhabe an den Errungenschaften unserer Gesellschaft ermöglicht. Dieses Versprechen sollte überall gelten – in Städten wie auf dem Land, in wohlhabenden Regionen ebenso wie in Gegenden, in denen viele auf staatliche Unterstützung angewiesen und öffentliche Infrastrukturen oft unzureichend sind. Doch löst der Staat dieses Versprechen bisher flächendeckend ein? Die Landkarte zur Teilhabe junger Menschen in Deutschland, kombiniert mit den Stimmen aus den Regionen, vermittelt ein umfassendes Bild davon, wie Kinder und Jugendliche heute in Deutschland aufwachsen. Sie zeigt auch: Die regionalen Unterschiede sind groß. Gute Teilhabe muss zur gesamtgesellschaftlichen Aufgabe werden – sie braucht politischen Willen auf allen Ebenen. Denn Chancengleichheit und gleichwertige Lebensverhältnisse sind kein leeres Versprechen, sondern der Anspruch, dass alle jungen Menschen Zugang zu den Möglichkeiten unserer Gesellschaft erhalten.
Datum: 01.05.2025Die verdeckten Kosten der Resilienz
Maren Hilke, Jörg Kohlscheen, Stephanie Moldenhauer, Johannes Schütte, Heinz-Jürgen Stolz
Über herkunftsbedingte Bildungsbenachteiligung wird viel diskutiert, aber wenig wirksam dagegen getan. Kann Resilienz eine Lösung sein? Und zu wessen Lasten wirkt sie sich aus? Diese Kostenfrage wird in dem vorliegenden Buch diskutiert. Konkret geht es darum, inwiefern es als resilient gelesenen Kindern gelingt, Bildungsbarrieren zu überwinden. Anhand von Interviews mit Lehrkräften, Eltern und Kindern wird deutlich, dass die Verantwortung auf die sozialen Welten von Kindern und Familien abgewälzt wird. Die Autor:innen plädieren dafür, verstärkt die Bildungspraktiken der Beteiligten in den Blick zu nehmen, um Anstrengungen sichtbar zu machen und kollaborative Lösungsstrategien zu entwickeln.
Datum: 01.05.2025Professorin Karla Verlinden: Resilienz(förderung) von Fachkräften und Teams
LVR-Jahrestagung im Rahmen des Landesprogramms "kinderstark - NRW schafft Chancen" zum Thema Selbstfürsorge in turbulenten Zeiten
Dr. Karla Verlinden ist Professorin für Erziehungswissenschaften mit Schwerpunkt Resilienz an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen in Köln. Sie stellt die verschiedenen Säulen der Resilienz vor und warum das Beachten der eigenen Selbstfürsorge nicht nur für die eigene Person von Bedeutung ist, sondern auch für die Kolleg:innen sowie in einem weiteren Schritt für die Kinder, Jugendlichen und Familien in der Kommune.
Datum: 04.12.2024Gerechtigkeit von Anfang an - Ein Sozialindex für Kindertageseinrichtungen
Niels Espenhorst, Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband Gesamtverband e. V.
Dieser Vorschlag des Paritätischen Gesamtverbandes für einen Sozialindex gibt einen systematischen Überblick über die relevanten Formen der Benachteiligung. Die flächendeckende Einführung eines Sozialindex ist eine vielversprechende Möglichkeit, um Kindertageseinrichtungen gezielt in die Lage zu versetzen, Benachteiligungen bedarfsgerecht abzubauen oder zu verhindern. Damit kann die Verteilung von Ressourcen und die Gestaltung von Fördermaßnahmen stärker an den tatsächlichen Bedürfnissen der Kinder und Familien orientiert werden. Der vorgeschlagene Sozialindex kann die Grundlage für eine bundesweit vergleichbare Identifizierung von Kindertageseinrichtungen sein, die – beispielsweise über Maßnahmen, die sich an dem Startchancen-Programm für Schulen orientieren – gezielt unterstützt werden. Ein derartiger Sozialindex bietet die Möglichkeit, soziale Ungleichheiten gezielt anzugehen, die Effektivität von Fördermaßnahmen zu erhöhen und den langfristigen Bildungserfolg benachteiligter Kinder zu verbessern.
Datum: 01.08.2024Zur gesundheitlichen Lage sozial benachteiligter Kinder und Jugendlicher
Kooperationsverbund Gesundheitliche Chancengleichheit
Das Arbeitspapier gibt einen Überblick über den Zusammenhang von Gesundheit und sozialer Lage bei Kindern und Jugendlichen. Studien belegen einen Einfluss des sozialen Status auf die Chancen, gesund aufzuwachsen: Je niedriger der soziale Status, desto höher ist das Risiko für schlechtere Gesundheitschancen. Abschließend werden Einblicke in mögliche Handlungsansätze gegeben.
Datum: 01.08.2024Kommunale Armutsprävention und der Beitrag des Rechts
Thomas Meysen, Katharina Lohse, Julia Tölch
Das Recht bekämpft Armut nicht. Aber die Grundrechte (Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 3 GG) sowie das Sozialstaatsgebot (Art. 20 Abs. 1 GG) schützen die Würde von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die in Armut leben, durch ein Existenzminimum. Dieses hat im Ausgangspunkt den Lebensunterhalt betroffen und später auch die Teilhabe einbezogen. Recht leistet außerdem Beiträge zur Beendigung der Armut von Menschen und zu deren Prävention – oder aber auch zur Manifestierung. In dieser Expertise werden Potenziale und Grenzen des Rechts in der kommunalen Armutsprävention für Kinder herausgearbeitet.
Das Deutsche Jugendinstitut e.V. (DJI) ist eines der größten sozialwissenschaftlichen Forschungsinstitute Europas. Seit 60 Jahren erforscht es die Lebenslagen von Kindern, Jugendlichen und Familien, berät Bund, Länder und Gemeinden und liefert wichtige Impulse für die Fachpraxis.
Datum: 01.07.2024Kitas 2. Klasse? Mehrfachbelastungen von Kitas mit Kindern aus sozioökonomisch benachteiligten Familien
Andy Schieler, Daniela Menzel
Die Expertise untersucht Unterschiede in der Ausstattung und Belastung von Kitas mit einem hohen Anteil sozioökonomisch benachteiligter Kinder. Dabei zeigt sich, dass solche Kitas oft mehrfach belastet sind, z. B. durch Segregation, höhere Personalbedarfe, schlechtere Personalausstattung und zusätzliche Herausforderungen wie mangelhafte Ausstattung. Gleichzeitig weisen sie in bestimmten Bereichen, wie kultursensibler Pädagogik oder Übergangsmaßnahmen zur Grundschule, teils bessere Ressourcenausstattungen auf. Die Studie betont die Notwendigkeit politischer Maßnahmen, um diese Einrichtungen nicht als "Kitas 2. Klasse" zu behandeln und Chancengleichheit durch bessere Förderung zu gewährleisten.
Datum: 01.07.2024










