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Hilfe für alle Neugeborenen - Screening in Moers

Gelingendes Aufwachsen setzt in Moers schon vor und spätestens bei der Geburt an. In beiden Geburtskliniken ermittelt eine Koordinatorin in einem persönlichen Anamnesegespräch mögliche Hilfebedarfe Neugeborener und deren Familien und vermittelt direkt in möglichst passgenaue Hilfen. Dies geschieht in enger Abstimmung mit Krankenschwestern, Hebammen, Ärzten und den Frühen Hilfen. Der Name "Netzwerk Kinderzukunft" ist dabei Programm und mittlerweile auf Kreisebene etabliert, alle angehörigen Städte und Kommunen des Kreises Wesel sind beteiligt.

Das standardisierte Screeningverfahren ermittelt dabei, ob bei Neugeborenen und deren Familien gesundheitlicher oder psychosozialer Unterstützungsbedarf besteht. Der Datenschutz ist gewährleistet. Das Angebot ist ein großer Erfolg: Mehr als 98 Prozent der Familien nehmen teil.

In den Moerser Krankenhäusern Bethanien und St. Josef kümmern sich Fachkräfte vor und nach der Geburt intensiv um alle Familien; mögliche Belastungsfaktoren, die ein gelingendes und gesundes Aufwachsen beeinträchtigen könnten, werden festgestellt und den Eltern ein konkretes Unterstützungsangebot gemacht.          Es finden regelmäßige Netzwerktreffen mit Vertretern der Jugend- und Gesundheitshilfe statt. Allen Teilnehmern ist es wichtig, intersektorale Kenntnis und Wissen der jeweils anderen Professionen zu nutzen, eigene Möglichkeiten der Hilfeleistung zu verbessern und vorhandene Ressourcen für alle zugänglich zu machen.

Ergibt sich erst zu einem späteren Zeitpunkt, beispielsweise durch den Kinderarzt festgestellt, ein Hilfebedarf in einer Familie, kann dieser über die niedergelassenen Ärzte bis zur Vollendung des 3. Lebensjahres des Kindes jederzeit im Netzwerk Kinderzukunft "aktiviert" werden.

Wird Unterstützungsbedarf festgestellt, kann auf ein umfangreiches Netzwerk an Einrichtungen zurückgegriffen werden. Durch dieses Kooperationsnetz, an dem beispielsweise Gesundheits- und Jugendamt, freie Träger der Jugendhilfe, Sozialpädiatrisches Zentrum Familienhebammen, Kinder-, Jugend- oder auch Frauenärzte beteiligt sind, wird sichergestellt, dass Familien die Hilfen bekommen, die sie benötigen.

Der Datenschutz spielt beim Screening eine wichtige Rolle. Jeder Fall wird mit einem Vier-Augen-Prinzip überprüft. Aufgrund der kurzen Verweildauer der Mütter im Krankenhaus ist das System computergestützt. Nach der Einwilligung der Familien zur Teilnahme wird der Name automatisch in eine Fallnummer umgewandelt - eine Rückverfolgung ist dabei nicht möglich. Anonymisiert erhält der Chefarzt daraufhin eine Übersicht und prüft, ob Unstimmigkeiten vorliegen.

Durch den Settingansatz findet grundsätzlich keine Defizitorientierung statt; ein weiterer Vorzug des Angebots ist die Freiwilligkeit. Niemand muss am Screening teilnehmen. Der frühe Zugang zu Familien, die ansonsten einen ungedeckten Hilfebedarf hätten, über die Gesundheitshilfe, ist sehr wertvoll. Ebenso kann festgestellt werden, dass im Einzelfall auch die Vermittlung in Hilfe zur Erziehung den Eltern leichter fällt. Die persönliche Ansprache der Eltern schafft ein Vertrauensverhältnis zwischen ihnen und den Krankenschwestern, Hebammen und Ärzten. Der Ansatz hat Erfolg: Mehr als 98 Prozent der Eltern sind bereit, sich mit den Fachkräften in der Klinik auszutauschen. Dadurch wird das Screeningverfahren ein natürlicher Bestandteil des Krankenhausaufenthaltes.

Foto: ISA / Fabian Stürtz
Projektname:
Hilfe für alle Neugeborenen - Screening in Moers
Thema/Schwerpunkt:
Eltern stärken
Alter:
Frühe Kindheit (0-3)